Literarisches

Der Panther
Die Menschheit
Ein Heim ohne Katze
Ein Vogel auf dem Leim
Hund und Katze
ohne Titel
Von Katzen
Die Kellermaus
Die polyglotte Katze
Das schoenste Tier auf der Welt
Das Schnurren
Gespräch über Schönheit

 

 

Der Panther
(Rainer Maria Rilke [1875-1926])

Sein Blick ist vom Vorübergehen der Stäbe
so müd geworden, dass er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.

Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt ein großer Wille steht.

Nur manchmal hebt der Vorhang der Pupille
sich langsam auf-. Dann geht ein Bild hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille -
und hört im Herzen auf zu sein.

 


Die Menschheit
(Francesco Petrarca [1304-1374])

Die Menschheit läßt sich grob in zwei Gruppen einteilen - in Katzenliebhaber
und in vom Leben Benachteiligte.

 

Ein Heim ohne Katze

(Mark Twain [1835-1910])

Ein Heim ohne Katze,
ohne eine gutgenährte,
oft gestreichelte Katze,
mag vielleicht ein perfektes Heim sein.
Aber wie wollte es das schon beweisen?

 

Ein Vogel auf dem Leim
(Wilhelm Busch [1832-1908])

Es sitzt ein Vogel auf dem Leim,
Er flattert sehr und kann nicht heim.
Ein schwarzer Kater schleicht herzu,
Die Krallen scharf, die Augen gluh.
Am Baum hinauf und immer höher
Kommt er dem armen Vogel näher.

Der Vogel denkt: Weil das so ist
Und weil mich doch der Kater frisst,
so will ich keine Zeit verlieren,
Will noch ein wenig quinquilieren
Und lustig pfeifen wie zuvor.
Der Vogel, scheint mir, hat Humor.



 

Hund und Katze
(Wilhelm Busch [1832-1908])

Miezel, eine schlaue Katze,
Molly, ein begabter Hund,
Wohnhaft an demselben Platze
Haßten sich aus Herzensgrund.

Schon der Ausdruck ihrer Mienen,
Bei gesträubter Haarfrisur
Zeigt es deutlich: Zwischen ihnen
Ist von Liebe keine Spur.

Doch wenn Miezel in dem Baume
Wo sie meistens hin entwich
Friedlich dasitzt wie im Träume,
Dann ist Molly außer sich.

Beide lebten in der Scheune,
Die gefüllt mir frischem Heu.
Alle beide hatten Kleine,
Molly zwei und Miezel drei.

Einst zur Jagd ging Miezel wieder
Auf das Feld. Da geht es bumm!
Der Herr Förster schoß sie nieder.
Ihre Lebenszeit ist um.


Oh, wie jämmerlich miauen
Die drei Kinderchen daheim.
Molly eilt, sie zu beschauen,
Und ihr Herz geht aus dem Leim.

Und sie trägt sie kurz entschlossen
Zu der eignen Lagerstatt,
Wo sie nunmehr fünf Genossen
An der Brust zu Gaste hat.

Mensch mit traurigem Gesichte,
Sprich nicht nur von Leid und Streit,
Selbst in Brehms Naturgeschichte
Findet sich Barmherzigkeit.


ohne Titel

(unbekannter Autor)

Der Hund kommt freudig gelaufen und fragt:
"Was kann ich für dich tun?"
Die Katze reckt sich, blinzelt mit einem Auge und sagt:
"Stelle einen schriftlichen Antrag mit drei Durchschlägen.
Ich werde zu gegebener Zeit wohlwollend darauf zurückkommen!"

 

Von Katzen
(Theodor Storm [1817-1888])

Vergangenen Maitag brachte meine Katze
zur Welt sechs allerliebste kleine Kätzchen.
Maikätzchen, alle weiß mit schwarzen Schwänzchen.
Fürwahr, es war ein zierlich Wochenbettchen!
Die Köchin aber - Köchinnen sind grausam
Und Menschlichkeit wächst nicht in einer Küche -
Die wollte von den sechsen fünf ertränken,
fünf weiße, schwarzgeschwänzte Maienkätzchen
ermorden wollte dies verruchte Weib.
Ich half ihr heim!
- der Himmel segne meine Menschlichkeit!
Die lieben Kätzchen,sie wuchsen auf und schritten
Binnen kurzem erhobnen Schwanzes über den Hof und Herd;
Ja, wie die Köchin auch ingrimmig drein sah,
sie wuchsen auf, und nachts vor ihrem Fenster

probierten sie die allerliebsten Stimmchen.
Ich aber, wie ich sie so wachsen sah,
ich pries mich selbst und meine Menschlichkeit.
- Ein Jahr ist um, und Katzen sind die Kätzchen,
Und Maitag ist`s! -
Wie soll ich es beschreiben, das Schauspiel,
das sich jetzt vor mir entfaltet!
Mein ganzes Haus, vom Keller bis zum Giebel,
ein jeder Winkel ist ein Wochenbettchen!
Hier liegt das eine, dort das andre Kätzchen,
in Schränken, Körben, unterm Tisch und Treppen,
die Alte gar - nein es ist unaussprechlich,
liegt in der Köchin jungfräulichem Bette!
Und jede, jede von den sieben Katzen hat sieben, denkt euch!
sieben junge Kätzchen, Maikätzchen,
alle weiß mit schwarzen Schwänzchen!
Die Köchin rast, ich kann der blinden Wut
nicht Schranken setzen dieses Frauenzimmers;
Ersäufen will sie alle neunundvierzig!
Mir selber, ach, mir läuft der Kopf davon
- o Menschlichkeit, wie soll ich dich bewahren!
Was fang ich an mit sechsundfünfzig Katzen!

Die Kellermaus
(Heinz Ehrhardt [1909-1979])

Es wollte eine kleine Maus
- im Keller wohnhaft - hoch hinaus,
und eines Nachts, auf leisen Hufen,
erklomm sie achtundneunzig Stufen
und landete mit Weh und Ach
ganz oben, dicht unter dem Dach.
Dort wartete bereits auf sie
die Katze, namens Doremi.

Kaum, dass das Mäuschen nicht mehr lebte,
geschah´s, dass eine Fledermaus
ein paar Mal um die Katze schwebte,
zur Luke flog und dann hinaus.
Da faltete die Katz' , die dreiste,
die Pfoten und sprach: "Ist das süß!
Da fliegt die Maus, die ich verspeiste,
als Engelein ins Paradies!"

 

 

Die polyglotte Katze
(Heinz Ehrhardt [1909-1979])

Die Katze sitzt vorm Mauseloch,
in das die Maus vor kurzem kroch,
und denkt: "Da wart nicht lang ich,
die Maus, die fang ich!"

Die Maus jedoch spricht in dem Bau:
"Ich bin zwar klein, doch bin ich schlau!
Ich rühr mich nicht von hinnen,
ich bleibe drinnen!"

Da plötzlich hört sie - statt "miau" -
ein laut vernehmliches "wau-wau"
und lacht: "Die arme Katze,
der Hund, der hatse!
Jetzt muss sie aber schleunigst flitzen,
anstatt vor meinem Loch zu sitzen!"

Doch leider - nun, man ahnt's bereits -

 


war das ein Irrtum ihrerseits,
denn als die Maus vors Loch hintritt -
es war nur ein ganz kleiner Schritt -
wird sie durch Katzenpfotenkraft
hinweggerafft!

Danach wäscht sich die Katz' die Pfote
und spricht mit der ihr eignen Note:
"Wie nützlich ist es dann und wann,
wenn man 'ne fremde Sprache kann... "

 

Das schönste Tier auf der Welt
(Akif Pirinçci)

"Müsste ein italienischer Designer ein Tier erfinden,
käme bestimmt eine Katze dabei heraus.
Sie ist windschnittig und einfach das schönste Tier auf der Welt.
Hunde sind auch schön, aber sie sabbern."

Das Schnurren
(Ulrike Ascher)

"Das Schnurren meiner Miezen hat mich daran erinnert, was im Leben
wirklich zählt: Futter und Streicheleinheiten"

 

Such is life!!
(Autor unbekannt)

"Women and cats do as they please
and men and dogs should relax and get used to the idea."

Gespräch über Schönheit
(Robert Gernhardt, geb. 1937)

"Daß so etwas Schönes immer wieder entsteht!
So schöne Katzen zum Beispiel!
Sie kommen mir fast noch schöner vor als früher!
Und da waren sie schon zu schön!"

"Ohne Ihrem Schönheitssinn nahe treten zu wollen:
Wäre es nicht ein Gebot der Ausgewogenheit,
zur Frage der Schönheit der Katzen
zumindest eine Maus anzuhören?"